Egal, was ist.

Ich ließ mich in den Sessel fallen und wollte nie wieder aufstehen. Die Beine leicht erhöht, die Unterarme auf großzügigen Lehnen, der Kopf gestützt. Ich spürte, wie sich die Entspannung in mir ausbreitete. Und gleichzeitig wusste ich natürlich, wie absurd das alles war. Ich saß im Laborzimmer meiner Hausärztin, kurz vor der Blutabnahme. Nochmal den Eisenwert checken und den Vitamin-D-Speicher. Für das, was man die kalte Jahreszeit nennt, die aber in Wirklichkeit nicht nur kalt, sondern oft auch nass und in jedem Fall ziemlich grau und dunkel ist.

Dabei ist es erst ein paar Wochen her, dass ich mich jeden Morgen, kurz nach sechs, in den Garten setzte, um der Sonne beim Aufgehen zuzusehen und die Frische des neuen Tags einzuatmen. Gerade hatte ich das für mein neues Morgenritual gehalten, da war es schon wieder vorbei. Warum macht es uns Menschen so viel aus, wann die Sonne auf- und wann sie wieder untergeht, wann sie zu sehen ist und wann sie sich versteckt? Für Herbst und Winter brauchen wir ein dickes Fell. Da tut’s kein neuer Mantel (auch wenn ich meinen sehr liebe: leichtes Rosé, streichelzart, ein bisschen oversized).

Es gibt einen unglaublich effektiven Weg, sich für alles zu wappnen, was da kommen mag: einen Kurs bei Angela. Ich kenne sie schon seit meinem Job in der PR-Agentur, in der es für mich wenig zu lachen gab – außer in den völlig abgefahrenen Lachyoga-Sessions, die Angela mit uns durchzog. Sie selbst hatte es in Indien gelernt. Ganz beiläufig erwähnte sie, dass sie dort auch Frauen gepflegt hatte, die von ihren eigenen Männern angezündet worden waren.

So merkwürdig ich das künstliche Lachen fand: Angela beeindruckte mich mit der Selbstverständlichkeit, mit der sie unsere toxische Bürogemeinschaft dazu brachte, sich darauf einzulassen. Ich sehe die Kollegen noch vor mir, wie wir im Kreis standen, abwechselnd Dinge nannten, die uns auf die Nerven gingen, und mit einer wegwerfenden Handbewegung gemeinsam darüber lachten. „Die Zeiterfassung!“ Hahahahaha!

Viele Jahre später – vielleicht war es in der Pandemie, ganz sicher war es in einem November – buchte ich einen Onlinekurs bei ihr. Manchmal sollte ich durch mein Arbeitszimmer tanzen, manchmal einen imaginären Pfeil abschießen und in lautes Lachen ausbrechen. Es kostete mich Überwindung, und es tat absurd gut. Wie sehr es funktionierte, wurde mir bewusst, als ich in einer absolut stressigen Alltagssituation innerlich vollständig entspannt blieb und merkte: Ich kann glücklich sein. Egal, was ist.

An den Selbstbedienungskassen bei Rewe fällt mir auf, wie gemächlich die Menschen ihre Einkäufe über den Scanner ziehen, auf die Bon-Taste drücken, den Beleg checken. Das Warten macht mich nervös, aber gleichzeitig denke ich: Die wissen wie’s geht! Die haben sich schon auf den neuen Rhythmus eingestellt und die innere Energiespartaste gedrückt. Ich dagegen trommle weiter wie ein Duracell-Häschen. Eines, das vergessen hat, dass es solarbetrieben ist.

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Kein Wort für das, was ich will